Die Entscheidung steht, heute in jedem Falle nach Kitzbühel zurückzukehren. Zwei Gründe. Durch eine weitere Übernachtung in der Pension Schmidinger, könnte sich der Zorn von Chefin Barbara endgültig verflüchtigen, und morgen, am Samstag, möchte ich nach Bad Säckingen fahren, um mit Krimhild, Berno und Katiuska das Wochenende zu verbringen.
Aus diesem Grund habe ich die ursprünglich geplante Route gestern Abend kurz vor Bett in der Burnair Map auf dem Handy so abgeändert, dass ab Dorfheim (Saalfelden) die Bahnlinie, die über Leogang, Hochfilzen, Fieberbrunn, St. Johann i.T. nach Kitzbühel führt, immer in erreichbarer Nähe ist.
Saalfelden ist unser Minimalziel. Vom Bischling aus wollen wir, Bischofshofen im Norden tangierend, direkt über die Salzach zum Jagerköpfl queren und von dort weiter zur Südflanke des Hochkönig fliegen.
Mit dem Start warten wir, bis gegen 11 Uhr die ersten Schirme deutlich steigen. Um halb zwölf sind auch wir in der Luft. Geplante Abflughöhe für einen thermischen Anschluss nach der Salzach-Querung: 2-9. Kommentar Jürgen: O-oh, ich: easy!
Von wegen easy! Irgendwie ist, verflixt und zugenäht, der Deckel drauf. Wir probieren hier, wir probieren da, bei 2-5 ist immer Schluss. Endloses Gegurke. Es kostet eine Stunde Geduld, bis er plötzlich weg ist, der Deckel. Ein letzter Bogen durch den Wolkenschleier, und ab geht die Luzi!
Das Jagerköpfl hält sein Versprechen. Wir tanken Höhe, bis die Burnair-Fanfare erschallt. Dann geht's ran an den König. Jürgens Kommentar nach dem ersten Großklapper: „Tolle Gegend hier, aber auch irgendwie gruselig.“
Schnickschnack, er cruist schon überm Hochkönig, während ich mich noch seitlich hochkämpfe. Up and down auf der ganzen Tour: Krauzzly oben, ich unten und vice versa.
Unser minimales Flugziel ist Saalfelden. Aber, auf 3-2 unterwegs, wird nicht übers Landen nachgedacht. Mit Fernblick auf den Zeller See segeln wir über die Saalach zur Birnhorngruppe hinüber.
Vorbei an Leogang nehmen wir Kurs auf Hochfilzen. Uns ist nicht bewusst, dass wir durch das LO-D 22 „Hochfilzen“ stechen, das zum Truppenübungsplatz „Hochfilzen“ gehört. Ich habe den Luftraum bei der Umplanung der Route schlichtweg übersehen. Ist das LO-D (LO = Österreich; D = Danger / Gefahrengebiet) aktiv, können dort Schießübungen des Typs „Boden-Boden“ oder „Luft-Boden“ stattfinden. Glücklicherweise ist der Luftraum heute außer Betrieb und damit der Durchflug erlaubt.
Als wir bei Hochfilzen aus dem LO-D poppen, ist der Himmel vor uns blitzeblau. Dennoch meldet sich der Pieper. Auf 3000 msl angekommen, geht der Blick nach oben. Über uns hat sich ein fetter Cumulus ⛅️ gebildet, simsalabim! Doch bis zum Hügelrücken südlich des Kitzbüheler Horn sind - über Fieberbrunn hinweg - noch zehn Kilometer zu überbrücken, und was sind angesichts dieser Entfernung 1000 Höhenmeter im Sinkflug ...
Wir halten mutig drauf zu und kurbeln uns rüber, Krauzzly durch die Baumwipfel. Auf der Kitzbüheler Seite gibt es vom Horn einen Tritt in den Hintern: 5 m/s Steigen im Geradeausflug, dann 4 m/s Sinken bis zur Landewiese bei der Talstation der Hahnenkammbahn.
Egidius Koidl, Vizepräsident der Landewiese, selbst gerade gelandet, ist beeindruckt: Vom Bischling ... 😯! Er liefert uns gleich Tipps für die Gestaltung des morgigen Tages und bringt uns mit seinem Elektro-Van zur Pension Schmidinger.
Was man alles trinken kann, wenn der Fliegerdurst brennt: Gespritzten Holunder, Saures Radler und Bier sowieso. Ich die kleinen, Jürgen die großen. Krauzzlys Kommentar: Ich bin ein Kamel! (Anmerkung: Aber eines, das vor Stolz und nicht des Bieres wegen platzt!)

