Seit Anfang Juni liegen wir auf der Lauer. Jürgen und ich. Endlich kommt die Nordwestströmung, die diagonal über Mitteleuropa verläuft, zum Erliegen. Auf FL100 herrschen seit zwei Wochen Windgeschwindigkeiten, die einem ungeduldigen Streckenpiloten die Freude am Fliegen rauben würden.
Als sich aber Mitte der Woche abzeichnete, dass die kommenden Tage fliegbar würden, vereinbarten Jürgen und ich, uns am Sonntag in Kitzbühel zu treffen, um die „Nordschleife“ in Angriff zu nehmen.
Nordschleife? Naja, eigentlich hatte ich für uns in den grauen Wintertagen einen Dolomiten-Rundkurs ausgearbeitet. Jürgen lobte zwar den Kurs in höchsten Tönen, merkte jedoch beiläufig an, dass er noch nie im Pinzgau gewesen sei. Den Erzählungen nach müsse es dort richtig gut zu fliegen sein. Weil es leider keinen Pinzgau in den Dolomiten gibt, bastelte ich einen Alternativkurs, in dem ein Pinzgau vorkommt, eben die „Nordschleife“.
Ich hatte meiner Krimhild versprochen, sie zu unserem Sohn Berno nach Bad Säckingen zu bringen, wenn ich fliegen gehe. Dort ist der Neubau eines Eigenheims auf seine Gastfreundlichkeit hin zu testen. Ist ja nur ein kleiner Umweg 😉. Am Nachmittag um kurz nach vier sitzen wir dort am Kaffeetisch. Katiuska und Berno haben einen leckeren Kuchen bei Coppenrath & Wiese gebacken.
Eine Stunde später überquere ich, weil die Bundesstraße nach Waldshut-Tiengen gesperrt ist, den Rhein, um mich in der Schweiz zu verirren. Mein Handy, das mich sonst zuverlässig navigiert, streikt. Ach ja, das deutsche Netz ist außer Reichweite. Irgendwie finde ich trotzdem den Rückweg über die Laufenburger Rheinbrücke. Wieder in Deutschland loggt sich mein Handy ins Schweizer Netz ein und meldet: „Viel Freude mit Easy Travel. Für nur 7,99 € pro Tag telefonierst und surfst du wie zu Hause!“
Die Verspätung führt dazu, dass sich alle vor mir liegenden Staus auflösen, bevor ich in sie hinein gerate. Verständlich, es ist schließlich Sonntagabend. Gegen 23 Uhr erreiche ich die Pension Schmidinger in Kitzbühel. Beim Einparken winkt mir Jürgen von der Haustür aus zu. Er hat zwei Dosen Veltins kaltgestellt. Wunderbar.