Mit dem Pinzgau-Bähnle fahren wir nach nach Zell am See. Ein Fußmarsch bringt uns vom Bahnhof zum Postplatz und die voll gepackte Linie 71 von dort zur Seilbahn. Die Auffahrt zur Schmittenhöhe kostet für Gleitschirmpiloten stolze 37 Euro!
Am Oststartplatz warten wir, bis alle Touris einer Flugschulreise gestartet sind und der Wind weg ist. Ein Startabbruch bei Nullwind führt zu Abschürfungen am linken Schienenbein. Die mit Bänken besetzte Wiesenkante am Oststartplatz ist eine Klippe. Zwei Meter tiefer verläuft ein Fußweg 😝.
Wir tragen zum Nordweststartplatz um und starten dort. Die Thermiksuche erweist sich als mühsam. Beim Kurbeln über dem nach Süden verlaufenden Waldrücken ist viel Geduld erforderlich. Jürgen sucht eine bessere Alternative - und geht in Fürth vorschriftsmäßig landen. Irgendwann ist mein Schirm raus aus dem Quark und bei 2-9 an der Basis. Abflug über den See.
Der nächste geplante Wendepunkt (Hügel vor „Breiter Kopf“) auf der Ostseite des Sees passt. Geht ab wie Schmittens Katze. Auf dem Weg zum Hundskopf schnappt dann die Wolke zu. Spuckt mich aus auf 3-2. Der Hundskopf ist allenfalls mit angelegten Ohren zu erreichen. Also Planänderung: Schräg rüber zum Bernkogel.
Das ist aber ein wenig zu ambitioniert, denn es ist ein zwölf Kilometer langer Stich ins Blaue. Das Wölkchen über dem Zielpunkt löst sich auf („Cumulus Verschwindibus“). Ich komme etwas zu tief unter dem Bernkogel an, gurke an der Bergwiese etwas zu planlos herum und lasse mich dann etwas knapp über Embach hinweg in die Taxenbacher Klamm abrutschen. Taxenbach ist als Notlandeplatz erprobt. Touch down auf einem kleinen gemähten Wiesenhang am östlichen Ortsrand.
Wir telefonieren. Jürgen ist im Bahnhof „Zell am See“. Der Zug nach St. Johann im Pongau fahre kurz nach halb vier, sagt er. Fahre bis Bischofshofen, ist mein Rat, dort können wir uns treffen und entscheiden, wie es weiter geht.
Der Bahnhof „Taxenbach/Rauris“ liegt westlich des Ortes, zwei Kilometer von meiner Landewiese entfernt. Als ich losjogge, ist es viertel nach drei. Im Laufen halte ich den Daumen raus. Aber kein Schwanz hält. Dann sehe ich gegenüber einen PKW in einer Einmündung, der nach Westen auf die Bundesstraße einbiegen will. Junge Mutter am Steuer und Söhnchen als Beifahrer. Ich winke und simuliere mit den Händen ein drehendes Rad. Und tatsächlich hält der Engel nach dem Einbiegen in der direkt vor mir liegenden Bushaltestelle. Natürlich bringe sie mich gern zum Bahnhof, sagt sie, der liege ja auf dem Weg. Kurz nach halb vier bin ich da, fünf Minuten später Jürgen mit dem Zug und zwei Dosen kühlen Bieres 🍻.
Wir diskutieren unsere Optionen. Für einen Weiterflug vom Fulseck ist es leider zu spät. Quartier am Bischling oder in Schladming ist die Frage. Windy sagt für morgen eine überregionale Nordostströmung voraus. Ich rufe Armin an. Der Stoder könnte eine gute Wahl sein, meint er, aber besser sollten wir Josi fragen. Wir entscheiden uns daher für Schladming. In Schwarzach steigen wir aus, um auf den Fernzug nach Graz zu warten.
Jürgen muss wie ich ab Schwarzach ein Ticket lösen, denn Schladming liegt in der Steiermark. Die Gästekarte aus Uttendorf gilt nur im Salzburger Ländle. Mit dem Brillenetui am linken Ohr die ÖBB-App installieren, einen Zug auswählen, ein Ticket buchen und mit der virtuellen Kreditkarte bezahlen - das ist echt bockige Thermik 😅. Dennoch ist beim Einlaufen des Fernzuges das Ticket auf'm Handy.
Wir buchen noch im Zug ein Zimmer im strategisch günstig gelegenen Schladminger JUFA-Hotel. Zum Abendessen gibt es Ribs und Wings in Papa Joe's und anschließend noch 'n Halben in der Talbachschänke. Home Turf.
Zwischendurch befragen wir das Ennstaler Fliegerorakel. Es schließt den Stoder nicht aus, weist aber auf die beträchtliche Nordkomponente der Strömung hin.
Da es vor der Hauptsaison nicht ganz einfach ist, zum Stoder zu gelangen (Der Shuttle von Gröbming ist noch im Winterschlaf; Taxi wäre aber eine Option), bastele ich mit Burnair eine Strecke von der Planai zum Bischling, die über die Südseite des Ennstales führt. Das Orakel kommentiert die Planung mit einem klaren „Yes“!

